water/ Public Health Brigade 2014 MÄrz

Nachbericht der Uni Münster - 23.02. bis 05.03.2014, Srafa Aboano, Ghana

Nach knapp einem Jahr erfolgreicher Arbeit unserer noch jungen Hochschulgruppe und dank vieler hilfsbereiter Spender konnten wir Ende Februar als erste Münsteraner Brigade nach Ghana starten. Mit 26 Studenten haben wir gleich drei Projekte in Angriff genommen: Zwei große Wassertanks und eine Latrine konnten wir bei unserem zehntägigen Arbeitseinsatz in Srafa Aboano, einem Dorf in der Nähe der Küstenstadt Cape Coast, errichten.
Neben der erfolgreichen Etablierung der Hochschulgruppe Global Brigades Münster unter dem Dachverband Global Brigades Germany an der Universität Münster war der erste Erfolg, in kurzer Zeit gleich 26 Studenten von einem Projekt in Ghana zu überzeugen und uns auf den Einsatz in Ghana vorzubereiten. An dieser Stelle sei die Gründerin Svea Segets besonders erwähnt, ohne deren Initiative und Einsatz bei der Vorbereitung diese Brigade wohl nie gestartet wäre.
Monatelang haben wir auf unser Projekt hingearbeitet und waren gespannt, ob sich unsere Mühen gelohnt haben. Für alle Teilnehmer war es die erste Brigade und somit der erste Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit direkt vor Ort - für viele von uns sogar der erste Aufenthalt außerhalb Europas. Dementsprechend beeindruckt waren wir bei unserer Ankunft, nachdem wir am 24.03. abends in Accra gelandet waren und die ersten Eindrücke Ghanas auf der Fahrt zu unserer Unterkunft in Anomabo erlebten. 
Dies sollte noch übertroffen werden, als wir am nächsten Morgen mit einem Bus nach Srafa Abuano gebracht wurden. Zwar lag das Dorf küstennah, aber dennoch weit entfernt von moderner Zivilisation und war somit infrastrukturell unzureichend versorgt. Im persönlichen Gespräch mit den Einwohnern wurden uns von den Übersetzern Alltag, Probleme und Ängste der Bewohner vermittelt. Zwar hatte man vorher schon im Bewusstsein, wie schlecht es vielen Menschen auf der Welt geht, so war es doch ein Unterschied dies selbst vor Ort zu erleben. Aber wir erhielten auch positive Rückmeldungen zum Beispiel bezüglich der Arbeit von Global Brigades und konnten tatsächlich schon sehr viele Wassertanks entdecken, die voherige Brigaden gebaut hatten.
Zunächst wurden wir unseren Familien vorgestellt, die überglücklich - nach zum Teil langer Warte- und Sparzeit - endlich ihren Wassertank oder ihre Latrine erhalten sollten. Die Familien müssen nämlich einen geringen finanziellen Beitrag selber zahlen, da sich herausgestellt hat, dass damit das Verantwortungsbewusstsein und die Pflege der Tanks stark verbessert werden können. Dieser Betrag sind zwar nur ca. 30 €, doch bei einem Einkommen eines Verdieners von meist weit unter 10€ in der Woche für die gesamte Familie wird diese für uns geringe Summe zu einer großen Herausforderung - ohne die Subvention von Global Brigades für viele Familien unmöglich. Dementsprechend überschwänglich wurden wir von der Familie begrüßt und empfangen. Hochmotiviert durch die ghanaische Gastfreundschaft begannen wir anschließend zusammen mit Familienmitgliedern, je einem ausgebildeten ghanaischen Maurer und unseren Projektbetreuerinnen Schritt für Schritt unser Bauprojekt anzugehen. 
Mehrere Tage schweißtreibende Arbeit in der prallen Sonne standen uns nun bevor und wir arbeiteten Hand in Hand mit den ghanaischen Mitarbeitern – von Maschendraht verknüpfen, über Zement mischen mit Spaten, bis hin zu Maurerarbeiten war die Arbeit sehr abwechslungsreich. Außerdem konnten wir in den wohlverdienten Pausen die Familie und einige Abläufe, wie das Kochen von ghanaischen Gerichten (z.B. Fufu), besser kennen lernen. Schneller als gedacht waren die beiden Wassertanks, die jeweils 10.000 Liter Regenwasser fassen und damit je eine Großfamilie ganzjährig über die Trockenzeiten versorgen können, fertiggestellt. Auch die Latrine, für die zunächst eine zwei Meter tiefe Grube ausgehoben werden musste, nahm durch ein klassisches „Stein-auf-Stein“-Bauprinzip immer weiter Form an und wurde durch einen individuellen Anstrich vollendet. Nun sorgt sie bei einer zertifizierten Prophetin, ihrer Familie und ihren Kunden für mehr Hygiene und schützt diese hoffentlich langfristig vor Infektionserkrankungen. 
Nach der Bauphase hatten wir die Möglichkeit, am „Education Day“ unser zuvor erarbeitetes Wissen an die Kinder in der Grundschule und die stolzen Besitzer der Wassertanks zu vermitteln. In den Schulklassen versuchten wir mit Plakaten und gebastelten Objekten die Kinder interaktiv ihr bereits erlerntes Wissen zu Hygiene und Trinkwasser demonstrieren zu lassen und stellten einige Unklarheiten richtig. Insgesamt waren wir erstaunt, wie gut die Kinder bereits mit diesem Thema vertraut waren. 
Bei den Familien mit Wassertanks lag das Hauptaugenmerk auf der Erläuterung, wie das gesammelte Regenwasser über Filter oder Abkochen zu Trinkwasser verarbeitet werden kann. Um Ihnen besser klar zu machen, dass das klare Wasser aus den Tanks noch lange nicht rein und trinkbar ist, haben wir uns einer Technik der Mikrobiologen bedient und auf Agarplatten das Bakterienwachstum von Wasser aus dem Tank und abgekochtem Wasser im Vergleich dargestellt. Sichtlich beeindruckt von dem deutlichen Unterschied hatten wir das Gefühl die Einstellung der Bewohner zu Tankund Trinkwasser verändert zu haben. Darüber hinaus klärten wir ebenfalls über den verantwortungsvollen Umgang mit dem gesammelten Regenwasser auf, damit das Wasser auch für die gesamte Trockenzeit ausreicht. 
Wie wichtig eine gesicherte Wasserversorgung ist, wurde uns sogar am eigenen Leib klar. Nach einem harten und schweißreichen Arbeitstag mussten wir feststellen, dass es in unserer Unterkunft kein fließendes Wasser mehr gab. Immerhin hatten wir eine sichere Trinkwasserversorgung, die in den kleineren Dörfern nicht selbstverständlich ist. Trotzdem war es eine interessante Erfahrung, wenn mit hereingetragenen Eimern geduscht, gekocht und die Toilette nachgespült werden muss. Umso mehr wusste so manch einer nach drei Tagen eine kalte Dusche zu schätzen und ganz besonders den westlichen Standard, den man nach der Rückkehr wieder genießen würde. 
Gerade durch den Aufenthalt vor Ort werden einem viele Dinge noch bewusster: Zum Beispiel, dass neben den Grundbedürfnissen wie Wasserversorgung und medizinische Hilfe der größte Wunsch der Einwohner feste Arbeitsplätze vor Ort sind. Dies wäre ein weiterer wichtiger Angriffspunkt, um die Lebenssituation vor Ort noch ganzheitlicher und nachhaltiger zu verbessern. Außerdem ist uns der gedankenlose Umgang mit Müll aufgefallen, der direkt an den Wegen, dem Strand und an den Häusern massenhaft liegen gelassen wird. Nicht nur die sonst so unberührte Natur wird dadurch zerstört. Hauptrisiko sind, neben möglichen Vergiftungen durch den Verzehr des dort nach Nahrung suchenden Nutzviehs, gerade bei den barfuß herumlaufenden Kindern Infektionen durch direkten Kontakt.
Jeden Abend haben wir uns mit unseren ghanaischen Betreuerinnen und unterschiedlichen Verantwortlichen von Global Brigades getroffen, um uns über unsere Arbeit, Erfahrungen und generell über Entwicklungshilfe auszutauschen. Dies war nicht nur gewinnbringend für uns als Brigadeteilnehmer, sondern zusätzlich konnten wir Feedback über die Arbeit von Global Brigades geben und selbst neue Ideen und Ansätze, aber auch Kritik, direkt vor Ort anbringen. 
Insgesamt war unsere Brigade ein voller Erfolg: Mit den Wassertanks, der Latrine und vor allem unserer Aufklärung haben wir in kurzer Zeit für einige Familien die Lebenssituation nachhaltig verbessert – auf lange Sicht mit der kontinuierlichen Arbeit von Global Brigades sicherlich auch für das gesamte Dorf. Wir alle konnten einen ersten Einblick in die Notwendigkeit, Arbeitsweise und auch Schwierigkeiten von Entwicklungshilfe erhalten und diese Erkenntnisse nutzen, um weitere Studenten für ein Engagement in diesem Bereich zu überzeugen. Denn wir hoffen, schon diesen Sommer die nächste Brigade nach Ghana oder Südamerika schicken zu können und an unseren ersten Erfolg anknüpfen zu können. 
Trotz unserer Veranstaltungen und Verkäufen, um Gelder für unser Projekt einzunehmen, wäre es ohne Ihre Spende nicht möglich gewesen diese Brigade zu stemmen und somit den Menschen in Ghana zu helfen. 
Deshalb möchten wir Ihnen den Dank der Familien weitergeben und uns noch einmal persönlich bei Ihnen für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung bedanken.
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Water/ Public Health Brigade Münster Frühling 2014
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Global Brigades Germany e.V.

 

c/o Josephine Pattberg

Spicherenstraße 6

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Vereinsregister-Nr.:  VR200439 

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josephine.pattberg
@globalbrigades.org

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